Die Abschiebehaftanstalt in BürenAbschiebehaft: Das Beispiel Büren

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Die Abschiebehaftanstalt in Büren

Videoüberwachung, Sicherheitsschleusen, Zäune, Schranken: Willkommen am größten Abschiebegefängnis der BRD. Die JVA Büren-Stöckerbusch liegt ca. 8 km außerhalb von Büren, mitten im Wald und mit einer 6,5 m hohen Betonmauer umgeben. Die ehemalige NATO-Kaserne bietet seit 1994 Platz für bis zu 530 männliche Häftlinge ab 16 Jahren. Die Inhaftierung von Minderjährigen ist ein eindeutiger Verstoß gegen die UN - Kinderrechtskonvention, die festlegt, dass Kinder und Jugendliche nur als ultima ratio inhaftiert werden dürfen. Nach § 57 des Ausländergesetzes können MigrantInnen in Abschiebehaft genommen werden, wenn sie versucht haben, sich der Abschiebung zu entziehen oder der „begründete Verdacht” dazu besteht. Abschiebehaft ist keine Strafhaft, den Inhaftierten wird kein Verbrechen zur Last gelegt. Die Entscheidung liegt im Ermessen des Ausländeramtes. Die Haftdauer kann bis zu 18 Monate betragen. Tatsache ist, dass regelmäßig 30-40 % der Inhaftierten wieder aus der Haft entlassen werden müssen, weil sie widerrechtlich inhaftiert waren.

Der politische Sinn der Abschiebehaft ist die Abschreckung der MigrantInnen. Sie ist ein Baustein des modernen Migrationsmanagements, um gemeinsam mit anderen Maßnahmen MigrantInnen nach ökonomischen Nützlichkeitskriterien zu selektieren und unerwünschte Zuwanderung zu beschränken.Die Gefangenen sind elementarer Rechte beraubt. Die meisten wissen überhaupt nicht, warum sie im Gefängnis sind und empfinden die Internierung als ungerechte Bestrafung. Und wenn ihre Abschiebung bevorsteht, wissen sie oft nicht, was sie im Zielland erwartet. Die Gefangenen leiden oft unter massivem psychischem Druck, aus Angst, in ihren Heimatländern verfolgt, eingesperrt, gefoltert oder umgebracht zu werden.

Der Alltag im Gefängnis besteht aus 13-22 Stunden Einschluss in den Zellen. Nur wenige Gefangene haben das „Privileg”, für einen geringen Stundenlohn Kabel zu binden oder einzutüten. Die meisten MigrantInnen sind mittellos, wenn sie hier ankommen, einige haben nicht einmal ausreichen Kleidung. Wenn einzelne Gefangene dennoch Geld besitzen, wird es ihnen abgenommen: Sie müssen das “Hotel Abschiebehaft” und ihre eigene Abschiebung selbst bezahlen.Zudem besteht im Knast ein umfangreiches Bestrafungssystem, das bis zum Arrest reicht. Schon für kleine Verstöße gegen die Anstaltsordnung werden Gefangene in speziellen Arrestzellen über Wochen in Isolationshaft eingesperrt. Sie müssen sich total entkleiden und erhalten spezielle Arrestkleidung. Alle Gegenstände werden ihnen abgenommen, Kontakt ist nicht erlaubt. Amnesty international sieht in Isolationshaft eine Form von Folter. Es ist nicht verwunderlich, dass viele Gefangene gerade in diesen Zellen durchdrehen.Immer wieder begegnet der Besucher Flüchtlingen, die lieber bereit sind, hier in Deutschland zu sterben, als in ihren Herkunftsländern an die Folterer ausgeliefert zu werden. Suizidversuche gehören damit in der JVA Büren zur Tagesordnung. Seit 1993 ist es zu mindestens 49 Totesfällen in Abschiebehaft gekommen, zwei davon in Büren.

Seit das Gefängnis 1994 eröffnet wurde gibt es Widerstand. 1994 und `95 kam es zu Häftlingsrevolten, die sich u.a. gegen die schlechten Haftbedingungen und die ungenügende Betreuung richteten. Die Hilfe von außen wird im Wesentlichen getragen vom Verein „Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Büren e.V.”. Dieser war es auch, der die ersten Demos organisierte. 1998 und 2007 machte die „Karawane für die Rechte der MigrantInnen und Flüchtlinge” in Büren Station. Auch finden unregelmäßig Demonstrationen gegen das Gefängnis und Mahnwachen statt, an denen sich bis zu 1000 Menschen beteiligten.

Abschiebehaft abschaffen! Für das Recht auf globale Bewegungsfreiheit!

Remand pending deportation: The example Bueren

Video monitoring, sally ports, fences, barriers: Welcome to the largest prison for remand pending deportation of the FRG. The “JVA Bueren Stoeckerbusch” lies approx. 8 km outside of Bueren, in the middle of a forest and surrounded by a 6.5 m high concrete wall. Since 1994, the former NATO barracks supplies room for up to 530 male prisoners from the age of 16 years. The arrest of persons under age is a clear offence against the UN-Convenion on the Rights of the Child, which specifies that children and young people may be arrested only as ultima ratio.

After § 57 of the aliens act (Ausländergesetz), migrants can be taken in remand pending deportation if they tried to withdraw from deportation or for “justified suspicion”. Abschiebehaft is no penalty detention, the arrested committed no crime. The decision lies at the aliens registration office (Ausländerbehörde). The duration of detention can be to up to 18 months. Fact is that 30-40 % of the arrested have to be released from prison because they were arrested illegally.

The political sense of Abschiebehaft is the deterrence of migrants. Together with other actions, it is a component of the modern migration management, in order to select migrants according to economic usefulness and to limit unwanted immigration. The prisoners are robbed of elementary rights. Most do not know why they are in prison and are offended at the internment. And if their deportation is approaching, they often do not know what expects them in their home country. The prisoners often suffer from solid psychological pressure, from fear to be pursued, locked up, tortured or killed in their home countries.

The everyday life in prison means 13-22 hours inclusion in the cells. Only few prisoners have the “privilege” to work for small hourly wages. Most migrants are moneyless when they arrive here, some don`t even have adequate clothes. Nevertheless, if some prisoners possess money nevertheless, it is removed from them: They must pay the “Hotel Abschiebehaft” and their own deportation. Besides, there exists an extensive punishment system in prison, which reaches up to arrest. Prisoners are locked up in special detention cells over weeks in solitary confinement for small offences against the institute order already. They must undress completely and receive special detention clothes. All articles are removed from them, contact is not permitted. Amnesty international sees a form of torture in solitary confinement. It is not amazing that many prisoners panic in these cells. Visitors can meet refugees, who are ready to die here in Germany rather than to be deported to the torture in their home countries. Attempted suicides are on the agenda in Bueren. Since 1993 at least 49 prisoners lost their lifes on remand pending deportation two of them in Bueren.

Since the opening of the prison in 1994, there has been resistance. In 1994 and ` 95, it came to prisoner revolts, which were directed against the prison conditions and the insufficient support. The assistance from the outside is essentially carried by the association “Hilfe für Menschen in Abschiebehaft Bueren e.V.”, which also organized the first demonstrations. In 1998, the “caravan for the rights of migrants and refugees” came to Bueren. Since then, demonstrations against the prison took place irregularly, with up to 1000 people.

Abolish Abschiebehaft! For a global freedom of movement!

Buerengruppe Paderborn